Gebrauchte Röntgenanlagen

Der Kauf eines gebrauchten Röntgengerätes kann gut gehen – muss aber nicht! Natürlich ist eine Fehlinvestition mit einem neuen Apparat auch möglich, aber das liegt eher daran, dass man sich beispielsweise für ein zu schwaches Gerät entschieden hat. Das aber ist bei guter Beratung und eigenem technischem Interesse leicht zu vermeiden.

Im folgenden wird versucht die Dinge zu beschreiben, auf die vor der Anschaffung eines gebrauchten Gerätes geachtet werden sollte. Als erstes muss man sich klar machen, aus was für Komponenten eine (stationäre) Anlage im allgemeinen besteht. Als erstes wäre die Steuerung zu nennen, dann der Strahler, bestehend aus Gehäuse mit eingebauter Röhre, das Lichtvisier, die Hochspannungskabel, der Hochspannungskessel, und ein Lagerungstisch mit Kassettenlade und Bucky-Raster. Also viele Teile, die nach längerem Gebrauch auch viele Defekte aufweisen können. Bevor man nun zu pessimistisch wird, eine andere Überlegung: Der Ab- bzw. Wiederaufbau ist nur etwas für Fachleute! Ist dies nicht im Preis enthalten, kann es leicht möglich sein, dass die Kosten für die Montage höher sind als die des Gerätes!

Sind die Kosten geklärt, ist noch die Platzfrage zu prüfen. Da die meisten gebrauchten Geräte aus der Humanmedizin stammen, sind z.B. die Maße des Tisches auch auf die Körpergröße des Menschen abgestimmt und für die Tiermedizin eigentlich zu groß. Bei älteren Geräten findet man zudem noch einen sehr großen Hochspannungskessel. Um nachher nicht am Platzmangel zu ersticken, ist eine Aufstell- oder Montageplanung unbedingt erforderlich.

Alle genannten Hürden sind überwindbar, aber wird ein Teil schadhaft, ist die Reparatur nicht unbedingt selbstverständlich: Die Ersatzteilfrage ist häufig schon vorab geklärt, nämlich „gibt es nicht mehr!“. Die Geschichte endet mit dem Abbau und der Anschaffung eines neuen Apparates. Der Begriff „Abbau“ ist ein kurzes Wort mit langem Inhalt! In allen Hochspannungsteilen der Geräte ist Isolieröl enthalten, bei alten Geräten auch schon mal mit PCB-Anteil. Alte Geräte haben auch große Hochspannungsteile und viel Platz für das schädliche Öl. Bevor nun eine Trennung in Elektronikschrott, Metall und Kunststoff erfolgen kann, muss das Öl in Behälter gefüllt werden und durch ein Entsorgungsunternehmen entsorgt werden. Dieses Unternehmen wird aber den Anteil des PCBs messen und je nach PCB-Gehalt, desto teuerer wird auch die Entsorgung sein.

Rechnet man alle anfallenden Kosten zusammen und war die Betriebszeit zu kurz, dann war der vermeintlich günstige Gebrauchte leider sehr viel teuerer. Dieses Szenario muss natürlich nicht eintreten, aber die Möglichkeit besteht. Ein weiterer Fall kann auch leicht den Anschaffungspreis im nachhinein erhöhen. Das schwächste Glied in der Kette der Anlagenteile ist die Röntgenröhre. Leider kann man nicht absehen, wie lange oder kurz diese noch hält. Man wird auch selten Garantie auf diese Teile bekommen, höchstens eine zeitlich abnehmende Jahresgarantie, z.B. nach dem 1. Monat noch ein 11/12 des Röhrenwertes, nach dem 2. Monat 10/12, usw.. Daher sollte abgeklärt werden, wie teuer der Austausch des Strahlers kommen wird, um nicht gänzlich der möglichen Überraschung ausgeliefert zu sein. Zu beachten wäre hier noch: Die Entsorgung des alten Strahlers wird von manchen Unternehmen zusätzlich in Rechnung gestellt!

Damit man keinen Reinfall erlebt, ist es nötig alle Informationen einzuholen, um sich über Zustand, Größe, Alter, eventuelle Garantien und die endgültigen Kosten im klaren zu sein. Eine Besichtigung vor Ort, am besten noch betriebsbereit, gehört genauso dazu wie beim Autokauf. Wobei es leider Sitte ist, eher mal eine Röntgenanlage für 7.000.- € unbesehen zu kaufen, als den PKW für 1.000.- €. Eine einigermaßen brauchbare Alternative sind mehrere aussagekräftige Bilder, eine ausführliche Beschreibung des Objektes und natürlich eine gute Beratung. Auch für den Lieferanten der Anlage ist es nicht ganz unangenehm, nach der Montage zu hören, dass „man sich das Ganze etwas anders vorgestellt hätte“. Eine Rücknahme oder Änderung wird nicht ohne Streit oder hohe Kosten möglich sein.

Eine Anmerkung zum Alter der Geräte noch: Liegt das Baujahr deutlich länger als zehn Jahre zurück, steigt auch das Risiko, eine Fehlinvestition zu tätigen.